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Radionik-Tagung
2005* zurück
von Hermann
Grösser
Vom 4.- 6. Februar 2005 fand in Hohenroda
(http://www.hotelpark-hohenroda.com/)
die 2. Radionik Tagung statt. Veranstalter war die Deutsche
Radionische Gesellschaft e.V. (http://www.drgev.de).
Nachfolgend
einige Gedanken und Anmerkungen zu diesem Event. Die Tagung war hervorragend organisiert, die
Veranstalter haben sich bemüht, alles in einem harmonischen
Rahmen zu gestalten. Auch Unterkunft und Verpflegung ließen
keine Wünsche offen. Selbst das radionisch informierte
Trinkwasser, aufbereitet von Gara-Urquell (http://www.gara.de), schmeckte köstlich und
war gratis noch obendrein. Es war schön, dort alte Bekannte zu
treffen und neue Gesichter und Erklärungsmodelle kennen
zulernen. Dass gleich zwei Referenten krankheitshalber nicht
teilnehmen konnten war bedauerlich, handelte es sich doch um
eine Tagung, die eher unter dem Motto Heilung als unter
Krankheit stand.
Zufall oder Schicksal? Bedenklich in
diesem Zusammenhang erscheint mir aber die Tatsache, dass es
gerade eine Person getroffen hat, die lehrt, wie man seine
Primärkonflikte aufspürt und auflöst und die die so genannte
“mentale Radionik” begründete (als wenn Radionik je etwas
anderes als mental gewesen wäre) und das Buch “Ich suggeriere
mich gesund - Selbstheilung durch mentale Radionik” verfasst
hat. Kein gutes Omen für Methode und den Begründer!
Es gab gute und interessante Vorträge und
es ist oft bemerkenswert zu hören, was einzelnen Personen als
(Verkaufs)-Argumente für die eigene Methode einfällt. Ein
Problem dabei ist oft die Wortwahl, denn es gibt immer weniger
freie Worte (ohne mehrere Bedeutungen) und so wird eben auf
bereits Etabliertes zurückgegriffen. Dass dabei allerdings so
mancher Terminus zweckentfremdet verwandt wird, scheint die
Wenigsten zu stören. Doch dies ist nicht unbedingt ein
Spezifisches der Radionik, sondern ein generelles Problem der
Alternativ-Medizin. Kein Wunder also, dass diese
Vorgehensweisen immer wieder kritisiert und die gesamte Szene
in Mitleidenschaft gezogen wird. Dies trifft vor allem dann
zu, wenn klar definierte Begriffe der Physik missbraucht
werden. Als Beispiel dafür sei der Beitrag von Prof. Dr.
Roland Glaser im Skeptiker: “Elektrische und magnetische
Felder in Diagnostik und Therapie - Ein Gebiet zwischen
Scharlatanerie und wissenschaftlichem Fortschritt” angeführt.
Immerhin bemerkt der Professor so en passant, dass die
Bioresonanz- Therapie keine Erfindung der Neuzeit ist, sondern
auf Albert Abrams zurück geht. (http://www.gwup.org/skeptiker/archiv/2004/4/magnetische_felder.html)
Der Artikel erschien ursprünglich im Newsletter 1/2004 der
Forschungsgemeinschaft Funk (http://www.fgf.de/fgf/index.html) unter dem
Titel: Elektro-Magneto-Therapie, Perspektiven und Zukunft.
Doch zurück zum Thema: Wortfindungen und
Namensgebung gehen oft mit großen Schwierigkeiten einher,
sucht man verzweifelt nach Begriffen zur Abgrenzung des
eigenen Systems. Werden dabei gewisse Regeln, wozu auch die
der Gematrie** und der Ethymologie gehören, nicht beachtet,
sind Überraschungen unvermeidbar. Am Beispiel des
CoRe-Inergetix, ein von Kiran Schmidt begründetes “neues”
Radionik System, wird dies besonders deutlich. Doch nicht
alleine der Namensgebung wegen sei Kiran Schmidt hier erwähnt,
sondern auch wegen seiner Vorgehensweise im Internet, wo
versucht wird durch Diskriminierung des Wettbewerbs das eigene
Produkt hervorzuheben (http://www.inergetix.com).
CoRe ist ein Akronym und
steht angeblich für Coincidence
Recognition, soll also auf eine Art
Zufallserkennung hinweisen. Mit anderen Worten: Der Zufall ist
berechenbar, das Armageddon der Spielbanken in Sicht! Nebenbei
bemerkt, die Idee über so genannte Erkennungsmuster dem Zufall
ein Schnippchen zu schlagen ist bei Weitem nicht neu. So
versuchte z.B. Doyne Farmer und sein Team bereits in den 70er
Jahren mit Hilfe von Computern das Casino von Las Vegas zu
sprengen. Sie waren anfänglich auch erfolgreich, bis das Ganze
auffiel und seither Computer in Casinos in den USA verboten
sind. Unbestritten jedoch ist, dass Farmer mit seinem Team ein
praktikables System erfunden hatte, um den Zufall zumindest
beim Roulette zu überlisten. Farmer gründete 1991 die
“Prediction Company”, eine Vorhersagefirma im wirtschaftlichen
Bereich (Finanzmarkt). Doch der Mensch ist kein amerikanisches
Roulette mit 38 Nummerfächern, sondern ein komplexes offenes
System in der jede Sekunde zehntausende von Reaktionen pro
Zelle ablaufen.
Doch kurz zurück zu dem Begriff CoRe, der
in verschiedenen Bereichen seine Verwendung findet. So z.B.
für den von Michael Harner begründeten CORESchamanismus (http://www.shamanism.org/), oder für die in
den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstandenen Core
Energetic Therapy
(http://www.coreenergetics.ch/core/core.html). Vermutlich zur
Differenzierung entschloss man sich kurzerhand dem Namen CoRe
noch den Begriff “Inergetix” anzuhängen. Doch dieser Begriff
birgt ein weiteres Problem in sich, beinhaltet er doch auch
das aus dem Lateinischen stammende Wort “iners”, was so gut
wie träge, untätig heißt. Schreibt man nun den Begriff
“Inergetix” Wesenscharakter zu (für Radioniker kein Problem),
so gibt es in der Welt der Magie neben dem Druiden Miraculix
jetzt auch noch den Radioniker Inergetix, ob der wohl die
Büchse der Pandora öffnen wird? Wohl kaum, denn das Wort
beinhaltet auch die lateinische Vorsilbe in- (entspricht der
deutschen un-) und etwas Unenergetisches wird in der Radionik
wohl kaum etwas Großes bewirken. Nomen est Omen, das wussten
die alten Römer schon! (Übrigens, wer sich für Wörter mit der
Endung ix interessiert, dem sei die Website http://www.comedix.de/lexikon/ empfohlen).
Die CoRe-Radionik wirbt u. a. mit der
Reproduzierbarkeit, die auf Grund mathematischer Analyse
anscheinend alle anderen bekannten radionischen Systeme bei
weitem übersteigt. Kiran Schmidt zitiert in diesem
Zusammenhang Stephen Wolfram, der u. a. das Buch "A New Kind
of Science" verfasst hat (http://www.stephenwolfram.com/). So weit so
gut, die Frage ist nur, warum man für ein auf geistigen
Funktionsprinzipien basierenden Systems überhaupt eine
reproduzierbare Methode mit materiellen Termini braucht?
Schließlich handelt es sich bei der Radionik um ein Verfahren,
bei dem über Zahlensymbolik versucht wird, eine Abbildung der
Wirklichkeit bzw. einen Zugang zu ihr zu schaffen. Dass gemäß
dem Analogiegesetz auch jede andere Art von Symbolen dafür
genutzt werden kann, versteht sich von selbst, denn die
moderne computerisierte Radionik ist gerade prädestiniert für
derartige Möglichkeiten.
Ein reproduzierter Zufall ist doch kein
Zufall mehr, oder hat jemand schon mal eine zweite Chance
gehabt, seinen ersten Eindruck zu hinterlassen? Nicht von
ungefähr schreibt C.G. Jung in seinem umfangreichen Vorwort
zum I GING “Der Meister sagt es einmal” (siehe erweiterte
Textpassage am Schluss). An dieser Stelle soll jedoch nicht
weiter über Zufall oder ob der Mensch einer Art metaphysischem
Determinismus unterliegt (Einstein, Gott würfelt nicht)
philosophiert werden, denn wer sich damit befassen möchte, der
findet genug Informationen, u. a. in dem Artikel” Prinzip
Zufall, die Wahrscheinlichkeit des Unwahrscheinlichen” (Der
Spiegel Nr.33/9.8.04) und noch viel viel mehr im Internet,
Beispiel: Was ist eigentlich Zufall (http://www.madeasy.de/2/zufall.htm)? Auch
ein Blick in eine Sammlung diesbezüglicher Zitate kann recht
hilfreich zur eigenen Meinungsbildung sein. Was das Würfeln
betrifft, so sieht der amerikanische Wissenschaftsjournalist
Marcus Chown die Sache differenzierter. Sein neuestes Buch:
“Warum Gott doch würfelt”
Doch abgesehen davon, ist die Radionik
eine anwenderbedingte und keine auf Basis
naturwissenschaftlicher Fakten basierende Methode. So ist es
im Grunde genommen gleichgültig welches Ergebnis (Rate etc.)
ausgewiesen wird, solange der Anwender selbst sich mit dem von
ihm praktizierten System voll und ganz identifiziert. Mit
anderen Worten: Die eigene Wirklichkeitskonstruktion ist
schlussendlich die ausschlaggebende Komponente. Ähnliches
bestätigt auch der amerikanische Psychologe Allan Cooperstein.
Er führte zahlreiche Untersuchungen bei Heilern durch und kam
zu dem Ergebnis, dass es nicht die Krückstöcke sind, die sie
benutzen, sondern dass das Wichtigste ihr Glaube an die
angewandte Methode ist. Cooperstein, M. A. (1992). The myths
of healing: A summary of research into transpersonal healing
experience. Journal of the American Society for Psychical
Research, 86, 99-133 (http://members.tripod.com/allanpsych/healingmyths.htm).
Zur Abrundung der Thematik hier noch eine
kleine Textpassage aus: Einer, keiner, hunderttausend,1925,
von Luigi Pirandello (italienscher Schriftsteller und
Nobelpreisträger):
"Ach, Sie glauben,
Konstruktion hätte nur mit Gebäuden zu tun? Ich konstruiere
mich andauernd, und ich konstruiere Sie, und Sie tun dasselbe.
Und die Konstruktion hält so lange, bis das Material unserer
Gefühle zerbröckelt und der Zement unseres Willens zerfällt.
[...] Es genügt, dass der Wille ein wenig schwankt und sich
die Gefühle in einem Punkt wandeln, ja auch nur geringfügig
verändern, und dahin ist unsere Wirklichkeit!" (http://www.pirandello-zentrum.uni-muenchen.de/)
Neben neuen und alt bekannten
Radionik-Systemen, wie z.B. das MARS III der Firma Bruce Copen
(quantec fehlte schon zum zweiten Mal) war in Hohenroda auch
das Oberon zu sehen. Dies ist ein Test- und Regulationssystem,
das anscheinend in Russland (auf dem Militärgelände in Omsk)
entwickelt wurde und bei uns als “Gesundheitstestgerät”
verkauft wird. Preis zwischen ca. 15.000,– und 26.000 EUR plus
MwSt.. Laut Auskunft der Vertretung (http://www.oberon-deutschland.com/) soll es
sich jedoch nicht um ein reines Radionikgerät handeln. Will
man Insidern Glauben schenken, so existieren bereits mehrere
Nachahmungen. Wie dem auch sei, die Begründer des
Oberon-Systems scheinen den Spruch “Nach alter Kennerweise,
steigt die Achtung mit dem Preise” besonders zu beherzigen!
Wohl wissend, dass auch der Preis einen psychologischen
Wirkungsfaktor beinhaltet. Eine ähnliche Situation kann man
bei den Herstellern von Bioresonanz-Geräten beobachten. Nicht
die billigen, sondern die teuren Anbieter machen das Geschäft!
Erstaunlich ist allerdings, dass in Anbetracht der modernen
Computer gestützten Radionik immer noch Bioresonanz-Geräte
gefragt sind. Hersteller in diesem Bereich scheinen von einer
Informationslücke bei Interessenten zu profitieren, die
glauben, dass bei diesen Methoden zwei völlig verschiedene
Wirkungsprinzipien zur Anwendung gelangen. Manche kaufen sich
sicherheitshalber gleich beide Systeme.
Für nächstes Jahr ist anscheinend (noch)
keine Radionik-Tagung vorgesehen, verständlicherweise, denn
die erste lief unter dem Leitthema “An den Grenzen der
Radionik” und die diesjährige stand unter dem Motto “Im
Zentrum der Radionik”. Damit wäre das Thema wohl erschöpfend
abgehandelt, oder sind für einen Radioniker “Zufall, Schicksal
und Magie” keine realen Größen und kann das geschriebene Wort
vom Leben getrennt werden? Interessenten und Freunde der
Radionik sollen jedoch nicht leer ausgehen, denn die Firma
Bruce Copen Laboratorien (http://www.copen.de) veranstaltet am 1. und
2. April 2006 einen Kongress über “Psychobiophysik und
Radionik” im Hotel Maritim in Fulda. Lassen wir uns also
überraschen, was es dort zu hören und zu sehen gibt.
_________
* Erweiterte Fassung des
in “Die Radionik Information Nr. 33, April - Juni 2005"
veröffentlichten Beitrags “Radionik Tagung 2005".
** Die Gematrie oder
Gematria ist ein System mit dem verborgene Bedeutungen von
Wörtern entdeckt werden können. Jeder Buchstabe des Alphabets
entspricht einer Zahl und so kann der numerische Wert eines
Wortes oder ganzer Sätze ermittelt und nach Korrelationen mit
anderen Wörtern oder Sätzen desselben Zahlenwertes verglichen
werden.
I Ging - Das Buch der
Wandlungen
Vorwort bei C.G. Jung
(Auszug) in der Richard Wilhelm Übersetzung
... Ich bin mir bewusst, dass auf meine
Frage unzählige Antworten möglich gewesen wären, und ich kann
gewiss nicht behaupten, dass ich nicht auch eine andere
Antwort als irgendwie sinnvoll empfunden hätte. Ich habe aber
diese Antwort als erste und einzige und von anderen Antworten
weiß ich nichts. Sie hat mich erfreut und befriedigt. Ein
zweites Mal zu fragen, empfände ich als ebenso unhöflich wie
respektlos und tue es darum nicht. „Der Meister sagt es
einmal“. Stilwidrigkeiten im Umgang mit irrationalen Dingen
sind mir als Anzeichen einer niedrigen, aufklärerischen
Kulturstufe, die im besserwisserischen Schulmeister ihren
Heros erblickt, sowieso verhasst. Solche Dinge sollen so sein
und bleiben, wie sie erstmals in Sichtbarkeit traten, denn
dann nur wissen wir, was die Natur aus sich, ohne vom
menschlichen Vorwitz zu sehr gestört zu sein, tut. Man soll
das Leben nicht an Leichnahmen studieren wollen. Über dies
wäre eine Wiederholung des Experiments schon aus dem einfachen
Grunde unmöglich, weil die Ausgangssituation nicht mehr
hergestellt werden könnte. Es gibt darum jeweils nur eine
erste und einmalige Antwort. ... Originaltext
aus: Gesammelte Werke von C.G. Jung, Bd.
11
Anlage:
Schicksal oder
Zufall?
Zufall ist das
unberechenbare Geschehen, das sich unserer Vernunft und
Absicht entzieht Gebrüder Grimm
Der Zufall ist
der einzig legitime Herrscher des
Universums. Napoleon (1769 - 1821)
Oft trifft man
sein Schicksal auf Wegen, die man eingeschlagen hatte, um ihm
zu entgehen. Jean de La Fontaine (1621-95), frz.
Dichter
Gott würfelt
nicht Albert Einstein (1879 - 1955)
Gewiss ist es
fast noch wichtiger, wie der Mensch sein Schicksal nimmt, als
wie sein Schicksal ist. Alexander von Humboldt
(1769-1859), dt. Naturforscher u. Geograf
Was die Leute
gemeiniglich als Schicksal nennen, sind meistens nur ihre
eigenen dummen Streiche. Arthur Schopenhauer
(1788-1860), dt. Philosoph
Das, wobei
unsere Berechnungen versagen, nennen wir
Zufall. Albert Einstein (1879 - 1955)
Auf den Zufall
bauen ist dumm - den Zufall nutzen ist
schlau. unbekannt
Zufall ist
vielleicht das Pseudonym Gottes, wenn er nicht selbst
unterschreiben will. Anatole France (1844 - 1924)
Franz. Schriftsteller, Nobelpreisträger
Der Mensch
möchte beim Zahlen erst die Ware sehen, allein das
Schicksal schickt grundsätzlich per
Nachnahme. Hellmut Walters (1930-85), dt.
Schriftsteller
Das Wort Zufall
ist Gotteslästerung. Nichts unter der Sonne ist
Zufall. (Gotthold Ephraim Lessing,
1729-1781) ("Emilia Galotti" Trauerspiel)
Zufall: ein
unvermeidliches Ereignis, das auf unveränderlichen
Naturgesetzen beruht. (Ambrose Bierce 1842-1914)
Nothing happens
by chance, my friend... No such thing as luck. A meaning
behind every little thing, and such a meaning behind
this. Part for you,
part for me, may not see it all real clear right now, but we
will, before long. - Richard Bach from "Nothing By
Chance"
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